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Kann mein Chef mich zwingen, meine Meeräsche loszuwerden?

by drbyos
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Vokuhila, Tattoos, Piercings: Wie sehr können Chefs das Erscheinungsbild am Arbeitsplatz diktieren?

Da physische Markierungen wie Tätowierungen und Piercings immer häufiger vorkommen, befinden sich Mitarbeiter im Widerspruch zwischen Selbstdarstellung und professioneller Repräsentation eines Arbeitsplatzes. Schließlich gelten sie oft als das „Gesicht“ des Unternehmens.

Aber bedeutet das zwangsläufig, dass Arbeitgeber ein Mitspracherecht darüber haben, wie sich Mitarbeiter präsentieren? Kann ein Arbeitgeber Ihnen sagen, dass Sie Ihre Tätowierungen entfernen, Ihren Bart rasieren oder Ihre Meeräsche loswerden sollen?

Als ein frustrierter Mitarbeiter kürzlich diese Frage auf Reddit stellte, erhielt der Beitrag Dutzende von Antworten von Australiern mit ähnlichen Erfahrungen.

„Der Typ, mit dem ich damals gearbeitet habe, wurde beschimpft, weil er an einem heißen Tag in einem heißen Geschäft Shorts trug. Also fing er an, einen Rock zu tragen“, teilte ein Benutzer mit.

„Ja, so einen ‚Chef‘ hatte ich mal… kam fast täglich rein und wies auf Sachen wie Schuhe hin, die nicht zur Firmenpolitik gehören, wies jeden kleinen Fehler vor dem ganzen Büro lautstark auf wie eine Kindergärtnerin“, klagte ein anderer Nutzer.

Arbeitgeber haben das Recht, bis zu einem gewissen Grad eine klare Kleiderordnung oder Richtlinien zum Erscheinungsbild am Arbeitsplatz festzulegen. Diese Kleiderordnung kann sich über Kleidung und Uniform hinaus auf Tätowierungen, Frisuren, Gesichtsbehaarung und Piercings erstrecken, insbesondere aus Gründen des Arbeitsschutzes, der Hygiene oder des Brandings. In einigen Branchen, wie z. B. Tischlerei oder Elektroarbeiten, könnten Arbeitgeber als fahrlässig angesehen werden, wenn sie eine Kleiderordnung nicht durchsetzen.

Obwohl es je nach Organisation und Branche unterschiedlich sein kann, glauben viele Arbeitgeber, dass ein ordentliches und professionelles Erscheinungsbild den Ruf eines Unternehmens widerspiegelt. Viele verbinden dies mit größerem Kundenvertrauen und verbesserten Geschäftsinteraktionen.

Problematisch wird es, wenn sich Mitarbeiter aufgrund ihrer persönlichen Eigenschaften ausgegrenzt fühlen. Gemäß dem Fair Work Act 2009 ist es rechtswidrig, Mitarbeiter aufgrund von Rasse, Geschlecht, Hautfarbe, Familienstand, Religion und anderen Bereichen zu diskriminieren. Es wird erwartet, dass Kleidervorschriften im Rahmen des Zumutbaren so umgesetzt werden, dass bestimmte Mitarbeiter nicht benachteiligt werden.

Quelle: Luca Nicoletti auf Unsplash

„Dies kann an vielen Arbeitsplätzen ein kompliziertes, kontroverses Thema sein“, sagte Professor Greg Bamber von der Monash Business School.*

„Wichtige Punkte/Überlegungen, die Chefs bei der Herangehensweise an solche Probleme beachten sollten, sind, dass alle ‚Regeln‘ oder Anfragen vernünftig und fair sein sollten.“

Professor Bamber hebt zwei wichtige Fragen hervor, die Chefs berücksichtigen sollten: Was ist die Art der Rolle? Beeinträchtigt das Tattoo, der Bart oder das Piercing die Fähigkeit der Person, ihre Arbeit zu erledigen?

„Als Beispiel: Als ein ausgezeichneter Absolvent der Monash University, ‚Fred’, für eine große australische Bank arbeitete, sagte ihm sein Chef, dass er seinen Bart abrasieren müsse, sonst werde er diszipliniert und könne entlassen werden. Fred sagte höflich, dass dies eine Diskriminierung sei und keine vernünftige Bitte, dass ein gepflegter Bart seine Arbeit als Banker nicht beeinträchtigte.

„Trotzdem beharrte der Chef auf seiner Kritik, was Fred Stress machte, also bat er seinen Gewerkschaftsvertreter um Hilfe. Die Gewerkschaftsvertreterin „Mary“ zeigte dem Chef ein Bild der Bankgründer im 19. Jahrhundert. Diese Männer hatten alle Bärte, was ihnen bei der Gründung einer so erfolgreichen Bank nicht im Wege stand!“ sagte Professor Bamber.

Die Nichteinhaltung der Kleiderordnung trotz angemessener Anweisungen des Arbeitgebers kann schließlich zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses führen. Aber wie bei allen Disziplinarverfahren müssen Vorgesetzte kulturelle und religiöse Faktoren berücksichtigen. Das körperliche Erscheinungsbild im Besonderen wird nicht vom Fair Work Act abgedeckt (mit Ausnahme von Victoria aufgrund des Equal Opportunity Act 2010), aber Fälle wie Maori-Gesichtstattoos oder Bärte aus religiösen Gründen müssen berücksichtigt werden.

Diese Antidiskriminierungsregeln gelten für alle Mitarbeiter, einschließlich Vollzeit-, Teilzeit-, Aushilfskräfte, Leiharbeiter, Mitarbeiter in der Probe, Auszubildende und Praktikanten.

Was können Arbeitgeber tun?

Die beste Vorgehensweise besteht darin, eine akzeptable Kleidungs- und Erscheinungsrichtlinie in einem Handbuch, das allen Mitarbeitern zur Verfügung steht, klar zu skizzieren. Dies sollte den Mitarbeitern auch während des Einstellungsprozesses klar gemacht werden. Die Richtlinie sollte in nicht diskriminierender Weise für alle Geschlechter gleichermaßen gelten.

*Greg Bamber ist Professor an der Monash Business School, Monash University und Mitherausgeber von International & Comparative Employment Relations: Global Crises & Institutional Responses.

Dieser Artikel stellt keine Rechts- oder Finanzberatung dar. Bei Fragen und Anfragen empfehlen wir Ihnen dringend, sich von Ihrem Rechtsanwalt oder Arbeitsrechtsdienstleister beraten zu lassen.

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